Eine kleine Glosse zum neuen Plakatmotiv
Von Reiner Wüst

Auch im dreizehnten Veranstaltungsjahr wahrt das FILMFEST ST. ANTON seine Tradition: mit einem Plakatmotiv, das einmal mehr Kunst und Kitsch aufs Beste vereint, zeigt man augenzwinkernd, dass man sehr wohl weiß um das Kitschelement, das so manchem Bergfilm innewohnt. Da braucht man gar nicht zurückdenken bis in die Zeiten Luis Trenkers – Gefühlspathos, Sonnenaufgangsfarbigkeit und Berg-ruft-Heroik findet man auch in den aktuellen Bergfilmbeiträgen reichlich.
Werden anderswo extreme Sportkletterbilder oder atemberaubende Berglandschaften zum Plakatmotiv auserwählt, so setzt man in St. Anton auf kleine „Fundstücke“ aus den einschlägigen Souvenirläden zwischen Sellajoch und Oberammergau. Da passt ein kleiner Eispickel (im Original gerademal 25 cm lang) samt genagelten Urgroßvater-Bergstiefeln aus Plastik perfekt ins Bild. Nicht zu vergessen das stilisierte Hanfseil und das geradezu unvermeidliche Edelweiß. Hollareiduljöh!, ruft da ein jeder Plakatbetrachter und will wissen, wo er dieses neuerliche Sammlerstück bekommen kann (am besten natürlich beim 13. FILMFEST ST. ANTON in der Zeit vom 28. August bis zum 1. September 2007).
Die Verantwortlichen des FILMFESTS verstehen ihre Entscheidung allerdings nicht nur satirisch. Vielmehr sollen die Plakatmotive den besonderen Stil der Veranstaltung wiederspiegeln: Die große Show, technisch wie von der Perfomance her auf höchstem Niveau, dabei bereichert durch geradezu poetische Zwischentöne, wie man sie sonst selten wo findet. Dass zur Matinee mit Bergbauern-Filmen Erbswurstsuppe gereicht wird – klassische Bergsteiger-Labsal –, oder dass ein altes Ehepaar erzählt, wie es dereinst mit dem Goggomobil um die Welt (!) gefahren ist, das gehört ebenso zu den besonderen Momenten wie die Projektion kurzer Animationsfilme. All dies trägt dazu bei, die Bildopulenz und die Action des Genres immer wieder zu brechen, Pole der Besinnung zu schaffen und jenen Hauch von Magie zu erzeugen, der das FILMFEST ST. ANTON berühmt gemacht hat.
Das diesjährige Plakatmotiv – Fels, Stiefel, Seil und Edelweiß vor felsigem Hintergrund – stammt von
thöni visual-design, Telfs. Günther Thöni hat das FILMFEST ST. ANTON vom ersten Jahr an betreut und ihm ganz maßgeblich zu Image und Unverwechselbarkeit verholfen. Mal war es der „hochalpine Gartenzwerg“, mal waren es edelweiß- und enziangezierte Hosenträger oder auch eine Spielzeuggondelbahn, die, in anderes Licht gerückt, für sich und für das FILMFEST ST. ANTON neue Aufmerksamkeit erzielte.
Also: Ausschau halten nach dem Pickel, der, herrlich antiquiert und herrlich kitschig, in verschiedenen Variationen das diesjährige FILMFEST ST. ANTON bewirbt. Und immer dran denken: die Abende beim Bergfilmfest am Arlberg sind genauso gut, spannend, schräg und witzig wie das grandiose Plakat!